Category Archives: DeliverUnion

Erfolg bei der Deliverunion: Rider wurden durch Lieferando übernommen!

Wie wir im Juni schon berichtet haben, hat Takeaway.com Delivery Heros Deutschlandgeschäft übernommen und foodora wurde zu Lieferando. In diesem Zusammenhang versprach der Geschäftsführer von Delivery Hero Deutschland, Michael Hagenau, einer Vertreterin unserer Foodora-Betriebsgruppe die Übernahme aller Kurier*innen zu Lieferando. 
Jedoch hat sich schnell herausgestellt, dass sich die Rider neu bei Lieferando bewerben mussten und dann teilweise abgelehnt wurden, unter anderem aufgrund von zu vielen Neuanstellungen.
Als den Ridern klar wurde, dass dieses Versprechen nicht eingelöst wurde, wandten sich 4 Kurier*innen folgerichtig an die FAU Leipzig. Nachdem wir uns als Gewerkschaft gemeinsam gegenüber der Geschäftsführung für die Kolleg*innen eingesetzt haben, wurde diesen dann doch eine Übernahme angeboten
Ein weiteres mal zeigt sich also wieder: Allein‘ machen sie dich ein!
Gegen die prekären Arbeitsbedingungen in der Lieferbranche hilft nur der breite Zusammenschluss aller Kurier*innen!

Keine Übernahme von foodora Mitarbeiter*innen durch Lieferando

foodora wird Lieferando! Genauer gesagt: Takeaway.com hat Delivery Hero gekauft. So viel steht schon seit Anfang diesen Jahres fest. Aber was das genau für die Fahrer*innen, die bei foodora angestellt sind bedeutet, scheint sich ständig zu ändern.

Michael Hagenau, Geschäftsführer von Delivery Hero versicherte Vertreter*innen der Deliverunion, dass alle Kurier*innen übernommen werden und der Lohn bei Lieferando 10 Euro die Stunde betragen soll. Zu beobachten ist Gegenteiliges.

Die Fahrer*innen bekommen keinen Folgevertrag sondern müssen sich neu bei Lieferando bewerben. Einzelne werden nach dieser aufwendigen Prozedur einfach abgelehnt. Bei denen, die übernommen werden, ist nicht klar, ob es bei unbefristeten Verträgen mit foodora auch bei Lieferando bei unbefristeten Vertragen bleibt oder ob sie sogar eine neue Probezeit erhalten. 

Zudem herrscht bei Lieferando ein E-Bike-Benutzungszwang, welcher nicht begründet wurde. Viele Fahrer*innen ziehen jedoch ihre eigenen Fahrräder vor, da sie ihren persönlichen Anforderungen entsprechen, zu mehr Sicherheit auf der Strasse führen und nicht zuletzt bei vielen Fahrer*innen auch zu einer schnelleren Auslieferung führen. 

„Statt abzuwarten, womit foodora und Lieferando als nächstes überraschen, fordern wir die Unternehmen dazu auf, alle foodora-Fahrer*innen zu übernehmen und ihre Versprechungen einzuhalten!“ so Theresa Ingendaay von der Deliverunion.

Deliverunion Leipzig übergibt in Berlin ihre Forderungen an die Geschäftsleitung von Foodora

Rund 60% der Beschäftigten von Foodora Leipzig unterschrieben die Petition der Deliverunion Leipzig mit Forderungen an Foodora. Darunter waren auch alle vier Rider Captains (Foodora-Sprech für Vorarbeiter*in). Die Petition mit allen Unterschriften wurde von einer Delegation der Deliverunion Leipzig in Berlin persönlich bei einem Treffen mit dem neuen Geschäftsführer Michael Hagenau und Pressesprecher Vincent Pfeifer übergeben.

Die vier Kernforderungen sind:

  • Einführung einer Verschleißpauschale von 39 Cent pro gefahrenen Kilometer.
    Durch Verschleiß am eigenem Fahrrad entstehen Kosten, die den Lohn effektiv unter den gesetzlichen Mindestlohn senken können.
  • 1 Euro mehr pro Arbeitsstunde
    Die meisten Rider liegen mit 9 Euro in der Stunde nur knapp über dem Mindestlohn und üben dabei eine schwere und gefährliche Arbeit aus.
  • Transparentes Schichtvergabesystem
    Schichtpläne werden wöchentlich nach dem so genannten Windhund-Prinzip erstellt. Eine Software bevorteilt Kolleg*innen, die häufiger fahren, und erzeugt dadurch einen künstlichen Wettbewerb.
  • Abschaffung sachgrundloser Befristungungen
    Befristungen ohne Sachgrund gehören grundsätzlich abgeschafft. Bereits durch die Probezeit hat Foodora ausreichend Möglichkeit festzustellen, ob eine Person für die Tätigkeit geeignet ist oder nicht. Darüber hinausgehende, sachgrundlose Befristungen halten Beschäftigte in einer ständigen Situation der Unsicherheit über ihre Zukunft. So kann etwa bei der Vergabe von Krediten und Mietverträgen benachteiligt werden, wer kein unbefristetes Arbeitsverhältnis besitzt.

Das Gespräch hatte einen freundlichen Charakter, der aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Gewerkschaft und das Unternehmen in zentralen Forderungen noch weit auseinander liegen.
Die Geschäftsführung rechnete Sachzwänge vor und war natürlich sehr offen für Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsorganisation. Jedoch blockte sie bei Forderungen, bei denen klar ist, dass sie zu höheren Personalkosten führen werden. Deshalb musste unsere Delegation häufiger betonen, dass es sich hier nicht nur um ein freundliches Feedback aus Leipzig handelt, sondern um die gemeinsamen Forderungen der Belegschaft, die von der Geschäftsführung konkrete Schritte erwartet.

  • In Sachen der Schichtvergabe zeigte sich Foodora nur allzu willig, bei der Entwicklung von Modellen zu helfen, die die sehr unterschiedlichen Interessen der Belegschaft unter einen Hut bringen.
  • Dafür blockt das Unternehmen, eine Verschleißpauschale auszuzahlen und versucht uns lediglich dahingehend einzubinden, das Gutscheinsystem zu verbessern.
  • Die Erhöhung der Löhne hat Foodora abgelehnt und stattdessen auf das Bonussystem verwiesen. Dieses nutzt jedoch nur Vielfahrern und es ist von Stadt, Geographie und Auftragslage abhängig, wie vorteilhaft es für die Fahrer*innen ist. Wir verwiesen darauf, dass das Bonussystem zwar ein netter Zuverdienst sein, aber nicht gegen eine Erhöhung auf einen ordentlichen Grundlohn angeführt werden kann.
    Eine leichte Erhöhung wird ohnehin ab Januar kommen müssen: Der 9 Euro Stundenlohn von Foodora liegt ab Januar unter dem frisch erhöhten Mindestlohn von 9,18 Euro. Ohne eine Anpassung wäre ein Stundenlohn von 9 Euro dann so niedrig, dass er gesetzeswidrig wäre.
  • Die Beendigung der Sachgrundlosen Befristung wurde auch abgelehnt. Hierfür blieben die Argumente besonders widersprüchlich, da von Seiten der Geschäftsführung immer wieder betont wurde, dass es gewünscht sei, Fahrer*innen mit mehr Stunden fester zu binden und länger im Betrieb zu halten.

Am 14.01.2019 wird die Deliverunion Leipzig auswerten, inwieweit Foodora sich auf die Forderungen zubewegt hat und welche weiteren Schritte es braucht.

Wir bedanken uns bei allen aktiven Kolleg*innen aus Leipzig, die sich beteiligen. Und ein besonderer Dank geht an die Berliner Kolleg*innen von Foodora/Deliverunion Berlin/FAU Berlin, die uns vor Ort solidarisch unterstützt haben.

Die Forderungen zu übergeben kann nur ein erster Schritt gewesen sein. Wenn ihr die Forderungen unterstützen möchtet, kommt zu unseren nächsten Veranstaltungen, achtet auf Ankündigungen und unterstützt unsere Aktionen.