Author: FAU Leipzig

Was dein Chef nicht will dass du weißt: Auch im Minijob hast du Recht auf Urlaubsentgelt und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Ein Mitarbeiter auf Minijob-Basis eines Telekommunikationsunternehmens hat sich in der FAU Leipzig organisiert, als der ihm per Gesetz zustehende bezahlte Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verweigert wurde. Besonders kreativ: Angezeigte Krankheitstage wurden als normal abgesagte Schichten erfasst, um die Bezahlung zu umgehen.

Nach einem Forderungsschreiben hat das Unternehmen nachgegeben und die komplette Forderung gezahlt. Viele Unternehmen nutzen die Unwissenheit der Minijobber um ihre Rechte schamlos aus, um grundlegendste Standards zu verwehren.

Der Fall zeigt, dass es sich auch bei „kleinen“ Problemen lohnt, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren.

FAU Leipzig – die kämpferische Basisgewerkschaft

Im Januar 2018 gründete sich das Allgemeine Syndikat FAU Leipzig. Die FAU ist eine selbstorganisierte Basisgewerkschaft. In Zusammenarbeit mit der FAU Leipzig hat sich auch die DeliverUnion Leipzig gebildet, in der sich Beschäftigte in Lieferdiensten organisieren, um sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Leipzig ist nach Berlin auch der zweite lokale Standort der Union Coop, der Föderation gewerkschaftlicher Kollektivbetriebe.

Leipzig ist eine der am schnellsten wachsenden Großstädte Deutschlands, migrantisch und studentisch geprägt, mit hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Gentrifizierung. Der Arbeitsmarkt ist höchst prekär. Neue Jobs finden sich zunehmend in der Zeit- und Leiharbeit – z.B. in der Logistik, im Callcenter, in der Pflege, in der Gastronomie sowie in Wissenschaft und Bildung.

Wir kommen aus verschiedenen Branchen und aus verschiedenen Ländern. Uns einen die schlechten Erfahrungen mit Lohnarbeit. Wir sind darüber hinaus der Überzeugung, dass es dabei nicht einfach nur manchmal nette und manchmal besonders fiese Chefs gibt. Das kapitalistische Arbeitsverhältnis zwingt uns eine Struktur auf, aus der diese Probleme folgen. Wir halten dieses Verhältnis für veränderbar. Und ein netter Chef kann manchmal der schlimmste sein.

Daher haben wir uns in der FAU organisiert, um uns zu wehren und um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Wir kämpfen gemeinsam, und wir bilden uns gemeinsam weiter über unsere Rechte und Aktionsmöglichkeiten.

Wir gehen über die üblichen Forderungen nach mehr Lohn hinaus. Daher arbeiten wir zum Beispiel in der union-coop am Aufbau von Alternativen durch selbstverwaltete Kollektivbetriebe.

Wir sind eine junge, dynamische Gewerkschaft. Wir wollen uns im eigenen Alltag für konkrete Verbesserungen einsetzen. Es gibt keine Trennung zwischen Studierende, Erwerbslose, Selbstständige, Voll- und Teilzeitbeschäftigte. Alle sind willkommen, weil wir alle vor denselben Problemen stehen.

Wir wollen dich ermutigen, deinen Arbeitsplatz zu beobachten: Kennen du und deine Kolleg_innen eure Rechte? Was für Probleme gibt es? Was braucht ihr, um diese zu lösen?

Um darüber überhaupt ins Gespräch zu kommen, macht es Sinn, sich kollektiv am Arbeitsplatz zu organisieren und sich kritisch mit der Arbeitswelt und unseren Rollen darin auseinanderzusetzen. Nur wenn wir uns gemeinsam organisieren und mit direkten Aktionen Widerstand leisten, können wir beginnen, eine positive Veränderung an unseren Arbeitsplätzen und in unserem Leben zu erreichen.